Idyllische Kreuzfahrt-Ziele an Mittelmeer-Küsten

am 15. September 2016

Sardinien - ungewöhnliche Genüsse

 

Sardinien ist etwa zehn Mal so groß wie Elba und überrascht direkt bei er Hafeneinfahrt mit unzähligen Bergketten und Hügeln und scheint „riesengroß“. Wir legen in Olbia an, gehen quer durch die Innenstadt, um unseren Autoverleih zu finden – und stellen fest, dass Olbia ein ganz nettes Städtchen ist, mit vielen kleinen Straßen, kleinen Geschäften, Café’s, guter Atmosphäre. Doch gut, dass wir etwas suchen mussten. So hatten wir wenigstens einen kleinen Eindruck von der Stadt, denn es sollte gleich losgehen, die Umgebung etwas zu erkunden.

 

 

Überraschend war schon die vielseitige Vegetation. Obwohl wir nur kleinräumig unterwegs sein konnten, war alles zu entdecken – Felsen- und Vulkanlandgebiete, Heidelandschaften mit Schafen und Ziegen, landwirtschaftlich intensiver genutzte Flächen mit Weiden, Orangenhainen, vor allem unzähligen Olivenbäumen. Unser erster Stopp: Feigen essen, an einem wilden Feigenbaum mit herrlich reifen Früchten.

 

 

Wir genießen einfach die Landschaft, und staunen über merkwürdig aussehende Bäume, mit tiefbraunen Stämmen, anscheinend geschält. Bei einem Halt wird alles näher betrachtet. Es sind frisch geschälte Korkeichen. Bei unserer Weiterfahrt sehen wir unzählige davon, in richtigen Eichenhainen, einzelne geschälte Bäume sogar entlang der Straße. An einigen Bäumen sieht man, wie die Rinde wieder nachwächst. Nach einigen Kilometern entdecken wir eine kleine Fabrik, in der die Rinden verarbeitet werden. Riesige Korklager, in der Fabrikhalle werden Flaschenkorken in allen Größen hergestellt. Wir erfahren, dass die Korkeichen alle zwölf Jahre geerntet werden können – so lange dauert es, bis die Rinde wieder nachgewachsen ist.

 

 

Von einer Mitarbeiterin in der Korkfabrik bekommen wir noch einen Tipp, wo es guten, für die Region typischen Wein gibt – in der Cantina Tani im nächsten Ort. Kaum zu entdecken, die Cantina, denn vom Ort aus führt ein langer Weg durch die Weinberge. Auto abgestellt, am Parkplatz noch ein paar Trauben genascht. Angenehmer, intensiver Geschmack, recht süß. In der Cantina wird gerade Wein auf Flaschen gezogen, aus hygienischen Gründen dürfen wir daher nicht in die Halle, sondern müssen vom Tor aus zusehen. Von der Dame des Hauses erfahren wir, dass wir (versehentlich) in einer der wichtigsten Weingegenden Sardiniens gelandet sind. Angebaut wird hier eine besondere, traditionelle Traube, der Vermentino, der nur in dieser Region als DOCS-Wein, also mit geschützter Herkunft, verkauft werden darf. Die Probe ergibt: Sehr lecker. Wir nehmen ein paar Flaschen mit und nehmen uns vor, von Zuhause aus weiteren Wein zu bestellen.

 

 

Weiter geht es durch die Berge. An der Straße ein Schild, das auf eine Käserei hinweist. Wir fahren hin, werden freundlich empfangen, dürfen gleich Käse probieren, ebenso den Wein, der hier anscheinend als Hauswein entsteht, auch eine Art Balsamico, und dann noch einen Likör, der an einen Magenbitter erinnert. An einer Wand hängen noch Schinken und Würste. In der Kühlkammer eine Menge Käse in unterschiedlichsten Reifegraden. Verarbeitet wird Milch von Schafen, Ziegen und Kühen, mal „rein“, mal gemischt; vor allem entstehen Provolone und Pecorino. 

 

Während wir beobachten und probieren kommt ein älteres italienisches Paar, das einen ziemlich umfassenden Einkauf macht. Der ältere Herr lässt sich einen ganzen, nach Pecorino aussehenden Käse geben, so ein 2 bis 3 kg Mini-Rad. Er zeigt ihn mir – ich staune nicht schlecht. Vor langem hatte ich von einem sardischen Käse gelesen, der mit Maden geimpft wird, aber außerhalb Sardiniens nicht mehr verkauft werden darf. Und dieser vor mir liegende Käse hatte in der Mitte ein großes Loch, in dem es nur so vor Maden wimmelte. Nicht sonderlich appetitlich. Der ältere Herr zeigte mir mit vielen Gesten, wie lecker dieser Käse sei, auch die Manneskraft steigern würde. Eigentlich wollte ich mich auf ein Foto beschränken. Aber plötzlich stand er vor mir, mit zwei Löffeln. Er schabte eine Käsemasse aus dem Maden-Loch. Ein Löffel genüßlich in seinen Mund, einen vor meinem. Hinein damit. Ein extremer Stinker … - wenn man nur nicht um die Tierlein wüsste …

 

 

Zurück geht es in die Stadt. Noch ein kleiner Spaziergang – und einen kräftigen Espresso. Musste sein.

Dann zum Schiff, weiter in Richtung Süden.

 

Bei uns geht es dann weiter nach Sorrent, an die Amalfi-Küste.

Bis zum nächsten Bericht dann beste Grüße

Lydia Häufele und Bernd Jans