Auf Kreuzfahrt nach Island und Grönland

Unser vierter Hafen:

Nuuk - die Hauptstadt Grönlands

 

Nachdem der Nebel sich aufgelöst hat, ein strahlend schöner Tag in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Einfahrt in den Hafen, die Ufer gesäumt von vielen kleinen bunten Häuschen, dahinter große Wohnblocks. Mit dem Tenderboot geht es ans Ufer. Noch im Morgennebel schlendern wir entlang der Küste, zwischen blauen, gelben und roten Häusern hindurch, immer in die Richtung, in der wir den Fischmarkt vermuten.

 

 

Aber genau so zwiespältig ist die jüngere Vergangenheit Grönlands – lange wurde um die Insel gestritten. Ganz lange zurück geblickt waren hier die Wikinger. Immer ein hin und her, vor allem zwischen den nordischen Nationen. Vor knapp 100 Jahren, 1921, wurde die Insel von den Dänen in Besitz genommen, ist immer noch Teil Dänemarks, aber heute weitgehend selbständig.

 

Grönland war und ist eine für die Kontinentaleuropäer und Amerikaner attraktive Insel, zunächst für den Walfang, dann ingesamt für den Fischfang, aber dann vielmehr noch wegen der Bodenschätze, bis hin zu den weltweit größten Edelsteinen, die hier gefunden wurden. Früher wurde sogar Kohle abgebaut und exportiert. Bewohnt nur von wenigen Inuits, aktuell etwa 57.000. Und denen versuchte man mit verschiedensten Strategien, die Segnungen der Moderne nahe zu bringen. Wie zum Beispiel mit den hier überall sichtbaren Wohnblocks, mit denen die Inuits mit mehr oder weniger sanftem Drang in einem städtischen Bereich sesshaft gemacht

wurden. Was alles aber kaum dem Wohle der Inuit diente, sondern vielmehr der Verelendung – zu Verarmung, Alkoholmißbrauch, Gewalt. Symbolisch dafür stehen die wirklich elenden Wohnbehausungen = Wohnblocks, die zum Glück jetzt nach und nach ersetzt werden, durch kleine Wohneinheiten. Neue Wohnungen – hoffentlich auch eine neue Chance für die Inuit.

 

 

Trotz dieser eher nachdenklichen Anmerkungen – nur wenige eher misstrauischen Blicke einiger Inuits auf die an ihnen vorbei ziehenden Kreuzfahrttouristen. Vielmehr sehr freundliche und hilfsbereite Menschen. Ober ältere Herr, mit dem wir uns nur über das Schlüsselwort „Fisch“ verständigen und der uns dann den Weg zum Fischmarkt zeigt, eine kleine Strecke vorangeht, damit wir diesen auch wirklich finden. Oder der Busfahrer, der uns einige Sehenswürdigkeiten nennt, obwohl er eigentlich schon weiterfahren müssen hätte. Oder die Dame, die mit Kind auf den Bus wartet, ebenso wie wir – und die, weil der Bus nicht kommt, ein Taxi ordert und uns eine Wegstrecke mitnimmt.

 

Endlich ist der Fischmarkt gefunden und Dänische Kronen sind eingetauscht. Ein kleiner Fischmarkt, eher ein größerer Verkaufsraum in einem der modernen Bauten – der alte Fischmarkt am Hafen wurde schon vor vielen Jahren aufgelöst. In der Theke vor allem Lachse aller Größenordnungen und Kabeljau. Und da liegt er schon, der Walfisch, in großen Brocken auf einem Zerlegetisch, ein Riesenberg Fleisch. Rechts das dunkelrote, fast braunschwarze Fleisch und links das weiße Walfett. Es handelt sich um einen Mine Whale. Ja, hier werden nicht einfach Wale gegessen, sondern es gibt verschiedenste Arten, die für den einheimischen Gebrauch gefischt werden.

 

 

Der Fischzerleger ist ein älterer Inuit, der sein Handwerk versteht, und sicherlich in jungen Jahren mit dem Kanu auf Fischfang war. Er

zeigt uns seine Schneidetechnik, Bernd bekommt ein „Probiererle“. Höflich genommen, getestet. Schmeckt lecker, es werden einige Streifen geordert. Sorgfältig erhält Bernd die besten Stückchen. An der Kasse ein freundliches Grinsen. So kleine Portionen gehen hier wohl selten über den Ladentisch. Noch eben gegenüber beim Supermarktbäcker ein Brötchen gekauft und dann nichts wie

weg aus dieser modernen Konsumwüste.

 

Wir wollen wieder Natur und Wasser. Wir steigen in den Bus Nummer 2 und fahren den Berg hoch durch die triste Vorstadt mit Ihren Wohnblocks. Hinter dem Hügel ein großes Hafengebiet mit alten Schiff, Werften und einem kleinen Yachthafen. Also kurzerhand ausgestiegen und Foto bereit gemacht.

 

 

Große alte Fischkähne in allen Formen Farben und „Zuständen“ stehen hier an Land und warten darauf, wieder seetüchtig gemacht zu werden. Rost und der Zahn der Zeit haben wunderbare Muster an die Schiffsrümpfe gemalt, kleine Kunstwerke, gemacht von der Natur. Überall liegen alle möglichen Werkzeuge, Reste, Kabel, Taue, Bolzen herum, ein einziges Chaos. Beim Gehen muss man vorsichtig sein, um nicht zu stolpern. An einem der Schiffe werden gerade neue Stahlplatten eingeschweißt, an einem anderen kommt neue Farbe an den Rumpf. Weit und breit niemand, der sagt, was man hier nicht tun darf – also ungezwungen überall herumkrabbeln und alles, was beliebt, in Augenschein nehmen. Die Arbeiter nehmen keine größere Notiz von uns, grüßen aber nett zurück, wenn es sich ergibt.

 

Vorne am Wasser angekommen ist Picknick angesagt. Wir sitzen auf einem alten gebrochenen Holzsteg in der Sonne und genießen unser Walfleisch auf Brötchen.

 

Der Rückweg gestaltet sich schwieriger. Es gibt wohl eine Baustelle an der Straße und von hier aus fahren keine Busse zurück in die

Stadt. Zu Fuß haben wir nicht so richtig Lust, zu viele Berge. Neben uns wartet eine Frau mit ihrem kleinen Sohn ebenfalls auf den Bus. Irgendwann fährt ein Taxi vor und die Dame fragt, ob wir mitfahren möchten, zurück in die Stadt. Wir wollen.

 

 

Jetzt stehen wir also wieder mitten im Einkaufszentrum und wollen zurück zu den hübschen bunten Häuschen am Meer. Unterwegs besuchen wir noch ein Geschäft mit Kunsthandwerk der Inuit. Man kann tatsächlich schicke Robbenjacken mit passenden Robbenfellhosen kaufen. Daneben gibt es schöne Handtaschen aus Robbenfell, Schmuck aus Walfischzähnen und Gestricktes.

 

Endlich kommen wieder die bunten Häuschen in Sicht, die Altstadt. Wir gehen den Berg hoch und haben eine wunderschöne Aussicht über die kleinen Häuser auf´s Meer. Wir bummeln dann am Meer entlang und machen Fotos von den Häuschen und den Blumen rundumher. Über ein paar Felsen geht es etwas hinaus auf einen Aussichtspunkt; von dort aus sind noch ein paar Eisberge zu sehen. Am Meer gibt es nochmal eine kleine Orangenesspause und dann geht es gemächlich zurück Richtung Tenderboot.

 

 

In der kleinen Holzkirche, die oben am Berg vor dem Hafen steht, ist heute noch ein besonderes Ereignis, eher ein trauriger Anlass. Die Glocken läuten plötzlich und die Eingangstür öffnet sich. Heraus kommt der Priester, hinter ihm ein weißer Sarg mit vier Trägern und dann eine stattliche Anzahl an Trauernden.

 

Wir verlassen Nuuk mit gemischten Gefühlen. Sich vorzustellen, dass die Inuit nun in solchen riesigen Wohncontainern leben, oft

zu viel trinken und, wie es scheint, auch überwiegend ärmer zu sein scheinen, macht nicht gerade froh. Auf der anderen Seite kann man sich bei all den Aktivitäten vorstellen, dass in wenigen Jahren hier eine kleine, moderne Metropole entstanden ist, die allen

gängigen Kultur- und Konsumwünschen gerecht werden kann, ein leider nur nach unseren Maßstäben „normales“ Leben auf Grönland möglich macht, da sich die Zeit kaum zurückdrehen lässt - aber hoffentlich vor allem den Bedürfnissen der Inuit, besser aller Grönländer, mehr gerecht wird.

 

 

So viel für heute und beste Grüße bis zum nächsten Reisebericht

Lydia Häufele und Bernd Jans