Auf Kreuzfahrt nach Island und Grönland

Unsere erste Begegnung mit Grönland:

Grönland - der Prins Christian Sund

Von Island aus geht es nach Grönland, für etwa eine Woche. Nach einem Seetag kommt sie Küste in Sicht, leicht diesig, aber eine enorme Weitsicht. Der Kapitän spricht von etwa 150 km, die wir noch von der Küste weg seien. Hohe Berge, auf der Ostseite oft über 2000 Meter hoch, immer wieder ein Gletscher erkennbar.

 

Grönland kommt näher. Zunächst steht so etwas wie eine Landschaftsfahrt an, durch den Prins Christian Sund, ein Gewirr von mehreren, teilweise miteinander verbundenen Fjorden an der Südküste Grönlands, in alter Seefahrerzeit entdeckt auf der Suche nach der Nord-West-Passage. Eine Strecke von etwa 100 Kilometern, wie eine Abkürzung, durch die Südspitze Grönlands gefahren.

 

 

Die Einfahrt in den Sund lange kaum erkennbar, so schmal ist sie. Kurz vor der Einfahrt die ersten Eisberge. Unser Schiff verringert die Geschwindigkeit, fährt hinein in den Sund, jetzt zu Beginn eine längere fast gerade Strecke, mal breiter, mal schmaler. Die Felsformationen zu beiden Seiten werden immer höher, steigen bis auf über 1000 Meter an. Immer wieder große Steinblöcke, fast wie Inseln, in der Fahrtrinne. Manchmal hat man den Eindruck, man könne vom Schiff aus die Felswände greifen.

 

Die Sonne scheint, wir haben um die 16 Grad, aber trotzdem kommt es uns ziemlich kalt vor – der Wind zieht über das Schiff hinweg. Wir stehen stundenlang draußen auf dem Deck, genießen die vorbeiziehende Landschaft. Obwohl sich alles als karge Felslandschaft zeigt, mit spärlichem Bewuchs, ist alles doch höchst abwechslungsreich. Erstaunlich, wie unterschiedlich sich Berg- und Felslandschaften darstellen können. Zu Beginn des Prins Christian Sund vom Meer und von Gletschern sehr glatt geschliffene Berge. Dann wieder Felswände, zerklüftet und mit vielen Abbrüchen. Oder immer wieder auch Formationen, die wie aus der Erde hochgeschobene Riesenhügel aussehen.

 

 

An uns ziehen die ersten Eisbrocken vorbei, kleine Gletscherstücke, die den Weg bis hierhin geschafft haben. Dann der erste Eisberg. Oben vom Schiff aus gesehen scheint es nur ein richtig kleines Exemplar zu sein; wechselt man das Schiffsdeck und begibt sich näher zur Wasserlinie, merkt man schnell, dass dieser Eisberg durchaus 25 bis 30 Meter hoch ist.

 

 

Mit vielen schwimmenden Eisbrocken kündigt sich der erste große Gletscher an. Das Schiff fährt langsam an ihn heran und an ihm vorbei. Eine bizarre Eislandschaft, zum Wasser hin mit vielen Abbrüchen, Spalten, Höhlen, davor mehrere Eisberge, die sich gerade auf den Weg machen. Oben am Berg das Eis, eigentlich gepresster Schnee, schön weiß, unten zum Wasser hin viele Farbschattierungen, türkisfarbig, Gletschereis.

 

Ein paar Daten, die als Info aus dem Bordlautsprecher kommen, sind nicht uninteressant. Zum Beispiel, dass etwa 85 % der Fläche Grönlands mit Eis und Schnee bedeckt sind, oder dass die Eisdecke der großen Gletscher bis zu 3 Kilometer dick sei, oder dass eine komplette Schmelze des Eises den Meeresspiegel um etwa 7 Meter anheben würde, und dass bei einer solchen Schmelze Grönland sich um etwa 600 Meter anheben würde, weil das Gewicht der Eismassen nicht mehr auf die relativ dünne Kontinentalplatte unter Grönland drücken würde.

 

 

Immer höhere und zerklüftetere Berge zeigen sich, je länger unser Schiff ins Landesinnere fährt. Weitere Gletscher, manche bis in den Sund hineinreichend, manche oben im Berg, zeigen sich. Vor einem der Gletscher sehen wir ein paar Schneehühner. Weitere Eisberge ziehen an uns vorbei. Der Prins Cristian Sund macht nun ein paar Windungen. Es gibt Abzweigungen. An einigen Stellen entsteht der Eindruck, man würde sich in einem Irrgarten befinden.

 

Immer wieder leichtes oder auch großes Erstaunen. Die Fahrtrinne ist so verwunden, dass man sich beim Blick nach hinten, vom Heck des Schiffes aus, gar nicht vorstellen kann, dass man hier herkam – es scheint eine geschlossene Sackgasse zu sein. Der Blick nach vorne, zum Bug, vermittelt den Eindruck, dass man zwar noch ein Stück weiterfahren kann – aber dann sei Endstation, kein Weiterkommen. Die nächste Windung, und alles sieht wieder anders aus.

 

 

Eisberge in allen Größenordnungen begegnen uns. Über Bordlautsprecher kommt die Information, dass einige Crew-Mitglieder ein paar Brocken Gletschereis von einem der Eisberge holen wollen, für einen Drink mit Original Gletschereis – das wegen der Lufteinschlüsse dem Getränk eine besondere Note geben soll. Mit einem Schlauchboot wird ein kleinerer Eisberg angefahren. Die Männer mühen sich mit Spitzhacke ab, ein paar Brocken Eis aus dem Eisberg zu schlagen. Anscheinend kein so leichtes Unterfangen, blickt man auf die Zeitdauer dieser Aktion.

 

 

Auf halber Strecke im Sund, kaum sichtbar im Schatten eines Berges, sehen wir ein kleines Innuit-Dorf, die einzige Siedlung hier in dieser Region. Hier gibt es keine Straßen; das einzige Verkehrsmittel ist das eigene Boot. Eine Funkstation als Verbindung zur Außenwelt, ansonsten sind die Menschen hier auf sich selbst angewiesen.

 

 

Immer andere Felsformationen, Schneefelder und auch Gletscher gibt es zu entdecken. Nach etwa sechs Stunden steht die Sonne so

tief, dass das Schiff fast dauerhaft im Schatten fährt. Da es auch in den Abend hineingeht, wird es langsam empfindlich kalt. Da hilft auch eine mehrfache Jackenlage samt umgehängten Teppich nicht mehr weiter.

 

So ein wenig frieren war dann vor dem Abendessen noch angesagt, weil plötzlich eine Wolke vor uns im Sund stand. Die Berge oben in der Sonne, und auf dem Wasser stehend eine undurchdringlich scheinende Wolkenwand. Erste Schätzungen, was höher ist, das Schiff oder die Wolke. Nach etwa einer halben Stunde das Ergebnis – etwa gleich hoch. All diejenigen, die auf dem obersten Deck standen, hatten in der obersten Schicht der Wolke noch etwas Sicht; alle anderen saßen im dichten Nebel.

 

 

Für uns war jetzt Schluß. Wir gingen zu einem späten Abendessen, und schauten immer wieder mal raus. Irgendwann ging es wieder

hinaus aufs offene Meer, Richtung grönländischer Hauptstadt, Nuuk.

 

So viel für heute und beste Grüße bis zum nächsten Reisebericht

Lydia Häufele und Bernd Jans