Auf Kreuzfahrt nach Island und Grönland

Unser sechster Hafen:

Qaqortoq – der Süden Grönlands

 

Das kleine Städtchen Qaqortoq mit seinen 3.600 Einwohnern liegt ganz im Süden von Grönland – so ziemlich die wärmste Gegend, die man in Grönland finden kann, auch im Winter.

 

In Quaqortoq haben wir unseren ersten eher regnerischen Tag. Die Sonne kommt kaum hinter den Wolken hervor. Wir machen einen größeren Spaziergang im Städtchen. Zwischen den wie immer bunten Häusern, viele auf hohen Stelzen, weil am Hang liegend, kann man schon mal kleinere Bäume sehen und Gärten um das Haus, liebevoll angelegt, mit vielen Blumen, zum Beispiel mit Tagetes, Ringelblumen und Stiefmütterchen, dazu Gemüsebeeten und den ersten neu gepflanzten Obstbäumen. Auf den Gemüsebeeten sind Kartoffeln, Mangold, Rübchen, Pflücksalat, verschiedene Kräuter, vor allem Schnittlauch, der auch schon zu

blühen anfängt, zu erkennen. Die Obstbäume sehen nach Äpfeln und interessanterweise Kirschen aus.

 

 

Um den Hafen herum spaziert liegt ein kleineres Gebäude, der sogenannte Fischmarkt. Davor verkaufen einige Inuit Gemüse aus dem Garten, wie es aussieht – ein kleiner Markt mit einheimischen Kartoffeln und runden weißen Rüben. Da das Klima immer milder wird, wird es hier wohl bald mehr Gemüsesorten geben. Im Gebäude wird etwas Fisch angeboten, wohl der Rest vom Fang des Tages. Etwas befremdet nehmen wir die Reste eines Seehundes wahr, der hier wohl zerlegt wurde und von dem fast alles schon verkauft ist.

 

 

Da das Wetter nur bedingt mitspielt, sucht man immer wieder Unterschlupf in einem der kleinen Supermärkte, oft eher in Größe „Tante-Emma-Laden“ – andere Lebensmittelgeschäfte haben wir keine gesehen. Die Waren kommen überwiegend aus Dänemark. Die Preise sind ähnlich wie bei uns, alles wesentlich günstiger als in Island oder Norwegen. Den Geschäften ist immer eine Bäckerei mit kleiner Verzehrtheke angeschlossen. In einem der Geschäfte kommen gerade frisch belegte Brotschnitten an, mit Lachs, und süße Schnittchen. Wir bestellen uns eine kleine Zusammenstellung, bekommen Kaffee und Wasser – wie überall anscheinend auf Grönland üblich – kostenlos mit dazu, beißen ins erste leckere Schnittchen. Neben uns sitzt ein älterer Inuit, der irgendwie interessiert auf unser Brot blickt. Wir geben eines unserer Schnittchen ab. Er genießt sichtlich.

 

 

Unsere Post stecken wir wie schon in Sisimiut in einen der roten Briefkästen. Es gibt Banken. Eine Post haben wir nicht gesehen, aber rote Briefkästen. In den kleinen Kiosken und Imbissbuden kann man überwiegend Hamburger, Fritten und manchmal Fisch paniert und frittiert bekommen.

 

Auch in Qaqortoq wird Fisch verarbeitet. Bei unserem Spaziergang kommen wir an einer kleinen Fabrik vorbei, bei der gerade mit

Gabelstapler gerade Fischreste herausgefahren und umgeladen werden. Es ist Kabeljau, der in einer kleinen Fabrik zu Filets verarbeitet wird. Wir dürfen kurz in den Vorarbeiterraum hineingehen, wo wir durch das Kontrollfenster einen Blick auf die Produktion nehmen können.

 

 

Die Häuschen sind besonders bunt und hangeln sich die Hänge hinauf. Manchmal moderne Bauten, manchmal noch wie in vergangenen Zeiten. An einem der Gebäude hängen Kräuter, Fischhäute und Felle zum Trocknen, daneben etwas, von dem wir vermuten, dass es eine Walfisch-Rippe ist, die ausbleichen soll. Hier scheint es also noch richtige Sammler und Jäger zu geben.

 

 

Zentral gelegen ist wie immer die Kirche, gleich in der Nähe des Dorfplatzes. In der Kirche entdecken wir ein Bilderbuch, in dem die

biblische Geschichte etwas angepasst an das Inuit-Leben erzählt wird – hier kommen dann auch die Walfische in den Himmel. Auf dem Dorfplatz ein Springbrunnen, daneben das wichtigste Restaurant des Ortes, in dem es grönländische Spezialitäten geben soll. Leider haben wir keine Gelegenheit, diese zu probieren, da alle Plätze mit Kaffee trinkenden Kreuzfahrern belegt sind. Im kleinen

Museum nebenan sehen wir von außen Gebäude, wie ganz früher aufgebaut aus geschichteten flachen Steinen und mit Grasdach; eingebaut und angelehnt sind hier einige helle krumme „Balken“, auf den ersten Blick Holz. Bei näherer Betrachtung sehen wir, dass unsere Vermutung mit dem Walknochen so falsch nicht war.

 

 

In Qaqortoq gibt es eine lokale Kunstaktion - an verschiedensten Stellen im Ort sind Gesichter in Felswände gemeißelt. Wir gehen am Hafen entlang, wo gerade ein Schiff mit Kies beladen wird. Unglaublich, dass das Ding überhaupt noch schwimmt - es scheint nur vom Rost zusammen gehalten werden.

 

Gleich am Hafen liegt noch eine Gerberei und Pelznäherei. Wir sehen vor allem Robbenfelle, die verarbeitet und gefärbt werden, zum Teil in sehr schrillen Farben und in unglaublichen Mustern. Schicke Modelle, vor allem Jacken, Mäntel, Handtaschen, Mützen und Handschuhe. Es ist erstaunlich welche Vielfalt vorzufinden sind.

 

 

Obwohl das Wetter nicht so recht mitspielte, es kühl und nass war, hatten wir doch unseren Spaß in unseren Regenjacken und unter dem Regenschirm, der uns von unseren Mitreisenden ausgeliehen wurde. Die Menschen hier in Qaqortoq waren, wie überall, hilfsbereit und freundlich, bleiben aber eher zurückhaltend und ergreifen nicht von sich aus Initiative. Es ist aber sicher auch nicht einfach, wenn über 1.000 wissbegierige Touristen über eine kleine Stadt mit 3.600 Einwohnern hereinbrechen. Aber es scheint doch ein sehr reges Stadtleben zu geben – die verschiedenen Aushänge nennen, soweit man das mehr anhand der illustrierenden Bilder und der verwendeten Logos herausbekommt, Krabbelgruppen, Jugendclub, verschiedenste Feste und Feiern, Konzerte,

Gottesdienste, Sportvereine, sogar einen Lions Club.

 

 

Zurück zum Schiff. Für uns geht eine Woche zu Ende, die wir auf Grönland verbracht haben. Uns hat es hier sehr gut gefallen. Den Winter haben wir nicht erlebt. Aber für den Sommer können wir sagen, dass wir eine Insel entdeckt haben mit imposanter Natur, ob einerseits Felsen, Berge, Gletscher, Eisberge, andererseits viel Grün mit bunter Blumenvielfalt, vor allem freundlichen Menschen und hübschen bunten Häusern. Es ist angenehm warm, wenn die Sonne scheint – das war für uns schon etwas überraschend.

 

Jetzt geht es zurück nach Island.

 

So viel für heute und beste Grüße bis zum nächsten Reisebericht

Lydia Häufele und Bernd Jans