Auf Kreuzfahrt nach Island und Grönland

Unser siebter Hafen:

Reykjavik - das Stadt-Land-Erlebnis

 

In Reykjavik bleibt unser Schiff über Nacht. Wir können noch am Abend auf erste Erkundung gehen, haben am nächsten Tag dann noch Zeit bis späten Nachmittag. Der Hafen liegt etwas außerhalb, wir nehmen zusammen mit anderen ein Taxi, so dass pro Person nur 5 Euro rauskommen. Es ist Sonntagabend, die Innenstadt trotzdem noch belebt und viele Geschäfte geöffnet.

 

Aber noch viel interessanter: Die Fußgängerzone ist nicht nur voller Kaufhäuser, sondern noch viel mehr Designer-Geschäfte, Kunst, und noch mehr wirklich stylischer Cafés und Pubs. Wir schlendern durch die Straßen zum Wahrzeichen der Stadt, der Hallgrimskirche entgegen. Von weitem schon sichtbar der hohe Kirchturm, ein gotisch angehauchtes Betonkirchenschiff, mit Platz für 1200 Menschen Platz finden. Alles sehr nüchtern gestaltet, aber eine glockenklare Akustik, in der Kirche eine Klais Orgel aus Bonn von Weltruf (1992). Vom 75 Meter hohen Turm hat man eine herrliche Rundumsicht über Reykjavik.

 

 

Auf dem Rückweg entdecken wir eine Eisdiele. Ein Eis wäre nicht schlecht, denke Lydia sich, geht hinein und bestellt zwei Kugeln. Die

Dame an der Kasse sagt, sie würde jetzt das Eis frisch herstellen, das könnte ein paar Minuten dauern. Erstaunen. Sie holt eine flüssige Grundmasse, schüttet sie in einen Metalltopf und stellt das Ganze auf ein Rührgerät. Der Quirl dreht sich und aus einer Thermoskanne wird flüssiger Stickstoff zugegeben. Es qualmt und die Masse verfestigt sich. So sehr, dass kleine Klümpchen entstehen, die so hart sind, dass die Schüssel mit heißem Wasser angewärmt, und die Masse cremig geschlagen wird. Das Ganze noch zweimal wiederholen und es gibt eine riesige leckere, cremige Kugel Erdnusseis im Becher, wie auf Wunsch sogar mit Kokosmilch zubereitet. Die Kollegin hat in der Zwischenzeit das Blaubeereis auf gleiche Weise hergestellt. Ebenfalls sehr lecker. Ein Erlebnis in jeder Hinsicht.

 

 

Wir bummeln weiter und wollen noch ein Bier trinken in einer Kneipe mit Livemusik. Wir finden eine mit guter Jazzmusik, setzen uns an die Theke und lassen uns von einer Kellnerin das beste isländische Bier empfehlen und bestellen. An der Theke lernen wir Paul aus Dublin kennen. Wir unterhalten uns angeregt und vergessen fast die Zeit.

 

 

Am nächsten Morgen geht es mit dem Leihwagen ins Landesinnere. Wieder hängt ein Erlebnis mit Eis zusammen. Auf dem Weg zum Geysir ein Schild an der Straße, angekündigt ist auf einem Straßenschild, dass es hier gibt es Eis vom Bauernhof gibt. Wir fahren ab und landen in einem netten kleinen Kaffee. Wir bestellen uns Kaffee und Eis und setzen uns. Wie wir zum Fenster hinaus schauen wollen, trauen wir unseren Augen nicht. Der Blick geht nicht nach draußen, sondern direkt in den Kuhstall. Das Kaffee steht also mitten im Kuhstall und die Fenster haben direkte Sicht auf Kälbchen, Kühe und Stall. Öfter mal was Neues. Im Laden gibt es auch die hausgemachte Besonderheit Islands, das Rye-Brot. Eine Art Schwarzbrot, das 24 Stunden in heißer Erde gebacken wird. Skyr, der Isländische Joghurt, wird auch angeboten. Er schmeckt lecker und cremig. Rund um Reykjavik finden sich viele große Bauernhöfe mit Milchwirtschaft, wie wir weiter bei unserer Rundfahrt feststellen.

 

 

Etwas später stehen wir wieder, wie schon einmal auf der Hinreise, am großen Riss in der Erde, dort, wo die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander driften. Ein tiefer und breiter Riss in der Erdkruste, die hier äußerst dünn und stets in Bewegung ist.

 

 

Weiter geht es zum Geysir Strokkur. Leicht zu finden, große Parkplätze und viele Menschen. Mitten drin ein großer Kreis von Menschen, alle mit gezückter Kamera. Keiner möchte den Ausbruch versäumen und sekundengerecht auf den Auslöser drücken. Den einen gelingt es beim ersten Mal, manch ein anderer braucht mehrere Versuche. Noch interessanter ist das blubbernde Becken neben dem Geysir; im klare Wasser zeichnet sich hat im hinteren Teil ein wunderschöner hellblauer „Höhleneingang“ ab, der von weißen Kristallen gesäumt wird. Ein wunderschöner Anblick.

 

 

Auf den freigegebenen Gehwegen merkt man durch die Schuhe, dass die Erde hier auch an der Oberfläche gut warm ist. Schilder warnen davor, die Wege zu verlassen – in vielen der dampfenden abgesperrten Bereiche wird der Erdboden bis zu 100 Grad heiß. Trotzdem dazwischen immer wieder kleine Flecken mit Blümchen, Flechten und Moosen. Im Hintergrund herrliche Vulkanlandschaft in bunten Farben, von Beigetönen über Blau und Purpurrot. Eine ganz unwirkliche Landschaft, die betört und fasziniert.

 

Nächster Halt, der Gulfoss. Wir halten auf einer flachen Ebene und fragen uns, wo der Wasserfall wohl sein mag. Wenig später hören wir ihn und dann tost er mit aller Gewalt durch eine tiefe Schlucht, die er sich gegraben hat, um dann kurze Zeit später nochmals eine Stufe in die Tiefe zu donnern. Ein gewaltiger Anblick, der an Eindruck gewinnt, da der Wind so stark bläst, dass man sich am Geländer festhalten muss, um nicht weggeweht zu werden. Naturgewalten pur.

 

 

Wenig später an der Strecke ein Vulkan – tatsächlich so einer der aussieht, als wäre er für ein Bilderbuch aufgeschüttet oder gemalt

worden. Ein typischer Vulkankegel. Oben auf dem Grat angekommen der Blick hinunter in den Krater, fast 100 Meter hinab. Unten ein fast kreisrunder Kratersee in allen möglichen Farben von lila über türkis bis tiefblau schimmernd. Trotz wolkenverhangenem Himmel und beginnendem heftigen Regenschauer. Der Foto kann diese Farben kaum wiedergeben.

 

 

Auf dem Rückweg stärken wir uns mit Erdbeeren von einer Erdbeerfarm, die Erdbeeren unter Glas zieht und stolpern noch über extrem beleuchtete Gewächshäuser, die zu strahlen scheinen. Beheizt wird mit Erdwärme, Energie ist günstig. Unterwegs ist dann auch noch ein Restaurant, bei dem draußen vor der Tür gekocht wird – dort steht das „Kitchen“ direkt an einer Stelle, wo die Erdwärme so hoch ist, dass mit ihr gekocht werden kann, mit kochendem Vulkanwasser und auf heißen Lavasteinen.

 

 

Island zeigt sich hier um Reykjavik wieder als ein Land der unterschiedlichsten und ungewöhnlichsten Landschaften. Alle paar Kilometer zeigen sich neue geologische Gegebenheiten, anderer Bewuchs, überraschende Bergformationen, dazwischen immer wieder weite, flache Landschaften, mal fast eine Steinwüste, dann wieder intensives Grün, und meist mit eher kargem Bewuchs.

Leider müssen wir schon recht früh zurück sein.

 

Unsere Zeit in Island ist vorbei. Es geht weiter zu den Orkney Inseln.

 

So viel für heute und beste Grüße bis zum nächsten Reisebericht

Lydia Häufele und Bernd Jans