Auf Kreuzfahrt nach Island und Grönland

Unser zweiter Hafen:

Seydisfjördur – die kleine Fischerstadt am Fjord

 

Island in Sicht. Ab sechs Uhr Einfahrt in den Fjord von Seydisfjördur. Alles wolkenverhangen. Tausend Meter hohe Berge rechts und

links, unzählige Wasserfälle, Wolken, die sich langsam nach oben arbeiten. Rechts und links jetzt erste Gehöfte, später große Bauernhöfe mit riesigen Anbauflächen. Weiß eingeschweißte Heuwargeln, wie bei uns. Nach zwei Stunden Ankunft im Städtchen Seydisfjördur.

 

 

Rund um uns herum hohe Berge. Es liegt vielfach noch Schnee. Unser erster Weg führt uns am Fjord entlang Richtung Fischfabriken, entlang an netten Häuschen und vielen Wasserfällen.

 

Unterwegs erfahren wir, dass das Trinkwasser in Island so wohlschmeckend und von so guter Qualität ist, dass es als „Smyril blue“ in

Flaschen abgefüllt und weltweit verkauft wird. Am Weg ein aufgegebener Tante Emma Laden, innen noch gut ausgestattet. Den sollte man herrichten und in den Sommermonaten für Touristen öffnen. Das könnte Spaß machen. Wir können noch einen Schmied und einen Schreiner ausmachen – beide Werkstätten machen den Eindruck, dass sie gut und nahtlos als Museum dienen könnten. Draußen liegen überall alte verrostete Maschinenteile und sonstige „Sammlungen“ mit Dingen herum, die man vielleicht

irgendwann mal noch gebrauchen kann.

 

 

Am Ufer entlang spaziert, weiter auf einem größeren Anlegesteg. Ein Fischer füllt gerade seine Fangkisten mit Eis. Wir unterhalten

uns mit Händen und Füßen und sehr wenigen Worten und hoffen eigentlich, mitgenommen zu werden, hinaus auf Fangfahrt. Er macht uns aber klar, dass er nicht weiss, wie lange er draußen sein wird – er möchte so etwa 800 kg Kabeljau fangen, und davon würde seine Fahrtdauer abhängen. Pech gehabt, er fährt davon.

 

 

Die Fischfabrik, an der er Eis fasste, heißt Brimberg. Wir steuern forsch auf den Eingang zu, sehen einen freundlichen Arbeiter, nett lächelnd, wir auch. Unser „Sesam öffne dich“ trägt wieder Früchte und wir finden uns in einer großen Halle wieder mit unzähligen riesigen Plastikkisten bis oben hin mit großem Kabeljau bestückt, die größeren sicherlich einen Meter lang.

 

Links ein Förderband, das die frischen Fisch zu einem Förderband nach oben bringt. Dort stehen zwei Männer und legen die Fische in eine Art Guillotine ein. Die Köpfe rollen die Rutsche runter in eine Kiste, die Körper werden weiterbefördert in die Filettiermaschine. Am Ende der Anlage kommen die Grätenreste aus einer Röhre. Sie werden zu Fischmehl weiterverarbeitet. Die Fischfilets verschwinden irgendwo in der Fabrik, sicherlich zur Verpackung für die Weiterlieferung.

 

 

Wir schauen zu. Die Hosenbeine werden langsam nass, denn es spritzt allenthalben, und manchmal sind auch Fischreste mit dabei, die sich immer mal wieder auf der Kleidung verteilen.

 

Etwas weiter gleich die zweite Fischfabrik, Gullberg. Diese ist ungefähr fünf mal so groß. Hier hängen „Schutzschilder“. „Unbefugtes

betreten verboten“. Macht auf uns wenig Eindruck. Der erste und einzige Mensch, der uns begegnet bittet uns freundlich herein. Wir betreten eine riesige Halle mit enorm großen Tanks, Reinigungs- und Zerkleinerungsmaschinen. Bis zu 10 Tonnen Fische werden hier pro Tag verarbeitet. Sie werden direkt vom Fischkutter per Saugpumpen, die einen Durchmesser von 40 cm haben in die

Verarbeitung gepumpt, dann gereinigt, geschreddert und zu Fischmehl oder Pellets verarbeitet. Allerdings ist an diesem Tag das Tagwerk schon getan und wir bewundern nur die Technik.

 

 

Zu den drei Klangkuppeln, die nach einer kleinen Wanderung noch kommen würden, gehen wir nicht mehr. Die sehen wir später vom Schiff aus und bedauern das etwas – das wären bestimmt satte Töne, wenn man selbst in diesen Riesen-Klang-Schalen drinstehen und diese anschlagen würde.

 

Wir drehen um in Richtung Städtchen. Ein Kaffee ist fällig. Wir steuern das Künsterzentrum an, Skaftfell. Der Kaffee ist lecker, sonst eher gemütlich als künstlerisch wertvoll. Es gibt nur Pizza und so ziehen wir weiter. Bei der örtlichen Tankstelle mit Imbiss gibt es „Fish and Chips“. Sehr lecker: frischer Kabeljau und frische Kartoffeln mit Schale frittiert.

 

Gestärkt nehmen wir jetzt das restliche Dorf in Angriff. Wunderschöne handgestricke Norwegerpullover werden angeboten, leider unbezahlbar. Der Supermarkt kann mit seinen hohen Preisen auch nicht wirklich überzeugen und ein Stück Kuchen (oberlecker und selbstgebacken) mit einer Tasse Kaffee schlägt mit acht Euro zu Buche.

 

 

Viele lustige Holzhäuschen in ganz unterschiedlichen Farben und „Renovierungszuständen“ säumen die Straßen. Nett auch die kleine blaue Kirche. Der Rest des Spaziergangs gehört der Fotographie. Nicht nur Landschaft und schöne Erinnerungen. Auch mit so etwa 500 Fotos hat Lydia gemacht, die unbedingt in die Sammlung zwecks künstlerischer Umsetzung aufgenommen werden müssen. Die Schrottteile, die überall gesammelt werden, von Lastwagen, Schiffen, Maschinen, haben es ihr angetan. Wir stöbern etwas rum, gehen auf alte Stege, bestaunen alte Fischerboote, und entdecken unter anderem auch einen Rentierkopf samt Geweih – so frisch, dass das Rentier noch im Topf schmoren dürfte.

 

 

Bei der Ausfahrt aus dem Fjord am Nachmittag haben wir noch einen Papageientaucher gesichtet. Die Möwen sind hier etwas kompakter und gedrungener gebaut als bei uns und haben unbändigen Spaß daran, kurz über den Wellen unseres Schiffes zu segeln.

 

Wale haben wir auch schon entdeckt, Wasser pustend und auch leicht aus dem Wasser herauskommend. Ein Foto haben wir davon noch nicht geschafft – diese Wale kommen einfach immer an Stellen aus dem Wasser raus, wo man sie nicht vermutet und dann halten sie nicht mal still für ein Foto …

 

 

Das größte Schauspiel bieten bei der Ausfahrt aus dem Fjord die Wolken – wir genießen ein richtiges Wolken-Schauspiel.

 

So viel für heute und beste Grüße bis zum nächsten Reisebericht

 

Lydia Häufele und Bernd Jans