Auf Kreuzfahrt nach Island und Grönland

Unser fünfter Hafen:

Sisimiut – Grönland pur in der Fischer-Stadt

 

Kalaalit Nunaat – „Land der Menschen“ – Grönland. Dabei leben nur rund 56.000 Einwohner auf einer Fläche, die sechsmal so groß ist wie Deutschland. Knapp 6.000 davon sind in Sisimiut zu Hause, der zweitgrößten Stadt Grönlands. Eines hat Sisimiut mit Rom gemeinsam – es wurde auch auf sieben Hügeln erbaut. Alles viel enger beieinander, und somit heißt es geht heftig auf und ab auf den vielen Hügeln bei der Erkundung.

 

Die ältesten Besiedlungsspuren gehen hier auf das Jahr 2500 v. Chr. zurück und stammen von den Inuit. Um 1730 wurde Sisimiut schließlich von den Dänen annektiert und unter dem Namen Holsteinborg zu einer Walfängerstadt. Sisimuit ist die einzige Stadt in Grönland, in der der Wasserweg im Winter nicht zufriert.

 

 

Schon von Weitem fällt vom Schiff aus auf, dass es viele Hügel gibt, auf denen die Häuser und Häuschen in allen Farben hinunter auf das Meer blicken. Wie hingewürfelt sehen sie aus. Endlich, die schon länger erwartete Grönland-Idylle. Na gut, ein paar größere Supermärkte und zwei Thailänder sehen wir später, aber die liegen gut versteckt, die kann man sich wegdenken.

 

Angelegt wird auf etwas eigenwilligere Art als sonst, wie die Fotos zeigen. Gleich am Hafen sehen wir die ersten Fischer bei der Arbeit. Sie fahren mit kleinen Booten raus mit nur einem Mann besetzt. Wir machen uns auf in Richtung Fischerhafen und Fischfabrik, sehen die ersten Boote, die ihren Fang anlanden. Sie fangen verschiedenste Fische und Krustentiere.

 

 

Kein Problem, mitten durch die ganzen Fischereianlagen zu wandern, keine Verbotshinweise. Wir laufen lustig drauf los mitten durch das geschäftige Treiben. Von den Booten wird ausgeladen, mit Gabelstaplern und Kränen sind andere damit beschäftigt, den Fisch zu verladen. Überall stehen unzähligen Plastikbehälter, in denen ungefähr ein Kubikmeter Fisch Platz findet. Manche Behälter stehen herum mit Fischresten, einer mit Fischhaut, einer mit Fischköpfen; hier riecht es ein wenig streng.

 

Komplette und Fischfilets werden in den Hallen sofort tiefgefroren. Wir dürfen uns eine Halle ansehen und frieren so, wie man allgemein von den Temperaturen in Grönland annimmt. Es ist bitter kalt, die Brillen beschlagen, und draußen wartet man länger wieder auf Durchblick.

 

 

Weiter geht es an der Hafenmauer entlang. Zunächst eine kleine Werft. Einer der Arbeiter kommt auf uns zu; unser erster Gedanke „Zutritt verboten!“. Weit gefehlt, er zeigt auf die Schiffe und seine Kollegen, wir unterhalten uns mit Händen und Füßen und ein wenig Englisch. Hier werden traditionelle, etwas größere Fischerboote repariert. Sechs Männer würden hier arbeiten. Die Schiffe werden auf einem Schienensystem mit Motorwinde an Land gezogen und mit Flaschenzügen und viel Muskelkraft auf große Holzbalken an Land aufgebockt. Gerade wird wieder so ein „Landgang“ vorbereitet, wie er uns zeigt. Die Balken stehen schon, er war dabei, die Stützbalken zusammenzusuchen, damit das Schiff nicht umkippt. Jetzt sehen wir das so vorbereitete „Trocken-Land-Dock“; als wir von unserem Landspaziergang zurück kommen, steht ein Schiff drin.

 

 

Wir entdecken alte Walfängerboote mit riesigen Luken und Kränen am Heck, vorne verpackte Harpunen. Wir staunen, wie

man mit so kleinen Booten Wale fangen kann/konnte. Dazwischen ein Rettungsboot in Vollmetall mit dicken Streben vor den Fenstern und einem Rettungsschlauchboot.

 

Eine Schaar Kindergartenkinder kreuzt unseren Weg und wir überlegen, was die im Fischereihafen machen. Zu unserer Verwunderung gehen Sie vorn an eine Kaimauer, um sich unser AIDAschiff anzuschauen. Süß!

 

 

Während unseres Spaziergangs kamen unsschon viele Taxifahrer entgegen und so überlegen wir, mal eine kleine Rundfahrt zu machen, um einen Überblick über die vielen Hügel zu gewinnen. Lydia hält ein Taxi an, darin ein älterer Inuit. Sie reicht ihm 100 Dänische Kronen und deutet mit dem Arm an, dass wir eine Rundfahrt machen möchten – übrigens die einzige Verständigungsmöglichkeit, denn die älteren Inuit, mit denen wir in Kontakt kamen, sprechen kein Englisch. Er schüttelt den Kopf. Nach weiteren 50 Kronen scheint er einverstanden und bittet uns einzusteigen.

 

Es folgt eine kleine Rundfahrt durch die Stadt, die wirklich auf einzelnen Hügeln gebaut ist. Auf einem der oberen Plateaus befindet sich ein größerer See mit Springbrunnen, und, wer hätte es gedacht, das einzige Freischwimmbad Grönlands. Es hat von Mai bis August geöffnet und die Wassertemperatur beträgt 23 Grad. Am höchsten Punkt der Stadt machen wir Fotos beim Polarkreis Aussichtspunkt und steigen dann auf halber Höhe bei den Supermärkten aus dem Taxi aus. Schräg gegenüber auf dem Dach sehen wir einen kleinen Jungen, der das macht, was kleine Jungs am liebsten machen – Unfug.

 

 

Von oben sehen wir einen riesigen Trawler, der in den Hafen einfährt und nehmen uns vor, uns diesen etwas mehr aus der Nähe anzusehen, sofern sich eine Gelegenheit ergibt.

 

Lust auf einen Kaffee macht sich breit. Gegenüber ein keineres Haus mit der Aufschrift Café Sisimuit. Sieht authentischer aus als der Supermarkt, also hinein. Wir staunen nicht schlecht, als wir uns in einem thailänischen Imbiss wiederfinden. Frühlingsrollen, Wantangs, Nudelsuppe, das ganze Programm. Jetzt gibt es eben Tee und Wasser.

 

Wir gehen hinunter zur ältesten Holzkirche Grönlands, die im Jahr 1775 geweiht wurde. Das Kirchlein steht einsam auf einem Felsen und ist eher unscheinbar. Schräg darunter steht das alte Torfhaus. Die Inuit haben ihre Winterhäuser aus platten Steinen mit Torf

oder Grasnarben dazwischen gebaut. Im Inneren wurden Sie mit Holz gestützt und ausgestattet. Damit die Wärme erhalten bleibt hatten sie bis zu acht Meter lange Eingänge, die tiefer lagen. Im Haus hatte jede Sippe eine durch Felle abgeteilte erhöhte Holzfläche, wo sie wohnen und schlafen konnten, davor eine Specksteinlampe, die mit Tierfetten betrieben wurde. Die Häuser waren teilweise

bis zu 50 Quadratmeter groß.

 

 

Unterwegs haben wir dann auch die ersten Grönlandhunde gesehen. Sie sind nicht so hübsch wie die Huskeys, haben auch keine leuchtend blauen Augen, sollen aber zuverlässiger und ausdauernder sein.

 

Wir haben noch in Erfahrung gebracht, dass es auf einer Halbinsel noch Reste der alten Walfängerstadt geben soll und begeben uns auf Spurensuche. Die Halbinsel ist sehr hübsch. Wie überall viele Blumen, und ein ganz weiches Grasbett, auf dem man fast federnd gehen kann. Man kann hier Kanu fahren, auf den Spielplatz gehen und fast vorne auf der Spitze die Ölraffinerie „bewundern“, aber leider haben wir nichts gefunden, was nach alter Walfängerstadt aussah. Vielleicht ist sie ja der Ölraffinerie gewichen. Von oben sehen wir, wie das russische Expeditionsschiff hier in den Hafen einläuft.

 

 

Auf dem Rückweg nochmals am Fischereihafen vorbei, wo inzwischen der große Trawler angelegt hat und auslädt, riesige weiße Säcke und fertig gepackte Kisten. Die Säcke werden mit Frischhaltefolie von der Rolle immer zwei übereinander verschweißt und die

Kisten sind bereits auf Paletten gestapelt. Alle Waren werden in Container verladen. Aus der Nähe sehen wir dann, dass es Tonnenweise gefrorene „Fischberge“ auf Paletten sind und „Schrimpsberge“ frisch gehalten in großen Säcken. Plötzlich kommt ein Arbeiter auf uns zu und hat ein Teller Shrimps in der Hand. Sie sind schön rosa gekocht und er reicht sie uns vorpräpariert, so dass wir sie nur noch aus dem Schwanz ziehen müssen. Jetzt wissen wir also wirklich, was in den weißen Säcken ist.

 

 

Noch ein paar Worte Grönländisch abfotografiert, so als kleine Erinnerung - Bernd meinte, es sei so eine Art Mädchensprache, viele Buchstaben, irgendwie hintereinander geordnet, vor allem viele, und ganz lange Worte, da sowieso keine Atempause benötigt wird, nicht zwingend verständlich für Jungs. Dann ein kleiner Pause am einzigen Imbiss von Sisimiut. Es gibt Tee aus dem Plastikbecher und leckere Pommes, weil Fisch schon ausverkauft ist, dazu eine Schokolade aus dem Tankstellenladen gegenüber.

 

Wir gehen noch einen Kunsthandwerkerladen, in dem die Inuit Figuren, Schmuck und Tupilaks aus Rentiergeweih anbieten, eine der ersten wirklichen touristischen Attraktionen, die uns begegnet. Tupilaks stellen Geisterwesen dar, mit denen man früher Verwünschungen aussprach.

 

 

So, jetzt aber ab auf´s Schiff und Beine hochlegen. 

 

So viel für heute und beste Grüße bis zum nächsten Reisebericht

Lydia Häufele und Bernd Jans